Club E - Marburg an der Lahn - Steinweg 9 - Erinnerungen an vergangene Tage

  Wie alles begann...
Alter Eingang mit VW-Käfer MR-AU 597
Sylvio Verfürth leistet mit seinem Bericht (unten) einen historischen Beitrag zur Entstehungsgeschichte des Club-E.

Als Autor dieser Internetseite bedanke ich mich sehr für diesen Beitrag, mit der Hoffnung, daß vielleicht doch der ein oder andere Leser noch ein Foto zu dem Text besteuern kann.
 

Links:
Der alte Eingang mit aufgemaltem Club-E-Schild auf der Hauswand.
Die Hausnummer "9" ist noch über dem Bogen angebracht.
Davor steht ein alter VW-Käfer mit dem Kennzeichen MR-AU 579.
Neben dem Fenster ein Schild: "Evangelische Buchgemeinde"
Betrifft: Historie Club E in Marburg-Lahn

Lieber Herr Fester

Angesichts der Mühe, die Sie sich mit der Web-Site über den Club E unterzogen haben, erscheint es geradezu zwingend, die Historie (wenn`s geht) lückenlos aufzuarbeiten. Im Rahmen meiner Möglichkeiten leiste ich Ihnen als Zeitzeuge dabei gerne Hilfe. Fotos aus dieser Zeit gibt’s leider keine – aber einen Haufen von Erinnerungen.

Kurz zu meiner Person: Ich bin gebürtiger Marburger (heute 61 Jahre alt) und habe meine Kindheit und Schulzeit in der Marburger Oberstadt (Am Markt 11) verbracht und kenne daher zwangsläufig die gesellschaftlichen Strömungen und Entwicklungen der damaligen Zeit in dieser Stadt. Erschwerend kommt hinzu, daß ich Ende der 50er Jahre, wie viele andere seinerzeit auch, anfing, Musik zu machen – und bis heute auch dabei geblieben bin. Und genau zu jener Zeit (nicht erst 1963) begann die Geschichte des legendären Club E.

Von vorne: Wir waren seinerzeit eine handvoll musikbegeisterter junge Leute, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten jede Gelegenheit wahrnahmen, zu musizieren. Unerreichte Vorbilder waren damals die „Shadows“, „Ventures“ „Johnny and the Hurricanes“ und ähnliche. Zum Tanztee im Cafe Markes in der Reitgasse fanden dann allsonntäglich Versuche statt, mit Ziehharmonika, „Bauchgitarren“ und Drum-Becken Stimmung unters Peticotvolk zu bringen. Mit Erfolg: der Tanztee im Cafe Markes, meinen ersten erlebte ich 1959, entwickelte sich ausgesprochen erfolgreich.

Die große Faszination ging aber damals von elektrischen Brett-Gitarren aus, die in Deutschland damals nicht zu bekommen waren. Erst 1961 entwickelte die Firma Framus eine Brettgitarre, deren Höhen und Tiefen mittels verschiebbarem Tonabnehmer zu regulieren waren. Logo, daß wir damals zu den Ersten gehörten, die solche Bretter hatten. Ich erinnere mich: Wolfgang „Wutschka“ Bodenbender (später „Guitarmen“) war der erste, der damals so ein Teil hatte und damit auch in den Stadtsälen, der seinerzeit größten Bühne in Marburg auftrat – in einem Jodel-Wettbewerb mit Karlheinz Trier zusammen. Was noch fehlte, waren Verstärker, damit die Dinger auch ordentlich zu hören waren. Mit alten Radios, Bananenstecker zapften den Lautsprecher an, hat dann damals alles begonnen.

Auf der Suche nach einer Lokalität, in der man mit den neuen Errungenschaften ordentlich Krach machen konnte, gerieten wir 1960 an Hans Blenk, einen Gastwirt, der in der Wettergasse eine Bierkneipe hatte. Durch einen 5o Meter langen Tunnel gelangte man vom Eingang in der Wettergasse in das Lokal. Ein Hinterzimmer, einmal pro Woche Treffpunkt für eine „Schlagende Verbindung“, stand ansonsten frei. Hans Blenk stellte uns diesen Raum als Übungsraum zur Verfügung – auch zu Zeiten, wo abends das Lokal besucht war.
Es dauerte nicht lange, bis Blenks Kneipe immer dann randvoll war, wenn dort geübt wurde. Also wurde aus dem Übungsraum kurzerhand ein Veranstalungsraum, der drei bis vier Mal pro Woche Live-Music mit E-Gitarren anbot. Die Leute drängelten sich nicht nur im Lokal, der Tunnel bis zur Wettergasse war randvoll mit Menschen, die „Geisterreiter“ oder „Apache“ hundert mal am Abend hören wollten. Viel mehr Titel hatten wir damals nicht drauf. Fürchterliche Akustik, begrenztes Instrumentarium und vor Glück besoffene Musikanten, die endlich schier unbegrenzt auf ihren Klampfen fetzen konnten. Aber die Leute waren begeistert und kamen in Strömen in die „Blenke“, die wir schließlich „Club E“ nannten – wegen der E-Gitarren und -Musik, die seinerzeit hierzulande kaum einer kannte. Das war 1961 – der Club E war geboren.

Zu dieser Zeit verdingten sich die Störmer-Brüder als Gastwirte. Einer (Harry) im „Henninger Süd“ (Wilhelmsplatz) der andere (Hans-Joachim) im „Henninger Nord“ (Bahnhofstrasse). Logo – als Gastwirte hatten beide die Nase im Wind. Als erster kam Hans-Joachim auf den Gedanken, aus dem amateurhaften Anfang des Club E eine professionelle Zukunft zu basteln. 1962 holte er sich den Bruchkeller am Steinweg, der damals noch mit Hilfe zahlreicher Musiker entkernt und hergerichtet wurde, die endlich mal auf eine richtige Bühne wollten. Arbeit für gut eineinhalb Jahre unter Tage. Dafür gab's vom Störmer auch ein paar richtige Verstärker – und wenig später konnten wir uns gar die ersten Strats von Fender leisten. Die Blenke versank wieder im Rausch von Alt Marburg, der neue Club E unter professionellen Voraussetzungen war geboren – und mit ihm sicherlich eine Kneipen-Legende, die in Deutschland wohl Ihresgleichen sucht.

Soviel in groben Zügen von den „Geburtswehen“ des Club E. Bedauerlicherweise gibt’s aus dieser Zeit kein Bildmaterial.

Ich hoffen, ich habe ein bisschen geholfen, die Geburtsstunde des Clubs zu erhellen. Die Altvorderen werden sich gerne erinnern.

Mit besten Grüßen aus Mainz
Sylvio Verfürth

(im Januar 2005)
 Stand: Samstag, 26. Februar 2005